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Ein Mahnmal für Jahrsau

Altmarkkreis Salzwedel erinnert zum 70. Jahrestag der „Aktion Ungeziefer“ an das Schicksal des geschleiften Ortes

Altmarkkreis Salzwedel, 30.05.2022: Der Altmarkkreis Salzwedel hat anlässlich des 70. Jahrestages der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ auf dem Gelände der Wüstung Jahrsau ein Mahnmal, das an den geschleiften Ort und seine Menschen erinnern soll, errichtet. Das Mahnmal wurde am 26. Mai durch Landrat Michael Ziche der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Einladung waren nicht nur Landtags- und Kreistagsmitglieder, Ortsbürgermeister, Dieter Leupold vom BUND gefolgt, auch die Zeitzeugin Friedel Schäfer, die mit ihren Eltern aus dem Dorf vertrieben wurde, erzählte den Gästen ihre ganz persönliche Geschichte.

Im Jahre 1975 hätte das kleine Dorf Jahrsau, so wie viele andere Orte in der Altmark, sein 600jähriges Ortsjubiläum feiern können. Doch dazu kam es nicht mehr. Jahrsau war verschwunden, seine Menschen bereits seit gut zwei Jahrzehnten vertrieben, und die Häuser, Scheunen, Stallungen – sogar die Kirche -, dem Erdboden gleichgemacht. Nur noch die Fundamente und Wege sowie verstreute Überreste von Hausrat und Kleidung, zeigen heute noch an, dass hier einst Menschen wohnten und arbeiteten. Längst hat die Natur diesen alten Siedlungsplatz erobert“, so die einleitenden Worte von Landrat Michael Ziche zur Einweihung der Stele.
Er weiter: „Wir möchten heute an das Schicksal Jahrsaus und seiner Menschen gedenken und mit einem neuen Mahnmal an die Opfer der Zwangsaussiedlungen in der DDR erinnern. Hier in Jahrsau, aber auch in anderen Dörfern der Altmark sowie entlang der innerdeutschen Grenze“. >> Mehr in seiner Ansprache hier.

Zum Hintergrund
Genau an diesem Tag jährt sich zum 70. Mal der verhängnisvolle Beschluss des DDR-Ministerrates, „verdächtige“ oder als politisch unzuverlässig geltende Personen aus den Dörfern in unmittelbarer Nähe zur innerdeutschen Grenze auszuweisen. Durch diese als „Aktion Ungeziefer“ bekannt gewordene Maßnahme wurden tausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.
Auch die meisten Einwohner Jahrsaus mussten 1952 den Ort verlassen. 1970 wurden schließlich die Gebäude abgerissen. Seither ist Jahrsau eine Wüstung. Nach 1990 setzten verschiedene Bemühungen ein, Jahrsau als öffentlich wirksamen Erinnerungsort zu etablieren. Mit dem neuen Mahnmal möchte auch der Altmarkkreis Salzwedel einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur leisten.

Landrat Michael Ziche erinnerte in seiner Ansprache an die Aktion Ungeziefer vor 70 Jahren und das geschleifte Dorf Jahrsau; Bild_©_AmkAuch Dieter Leupold (l.) vom BUND betonte die langjährige  gute Kooperationspartnerschaft zur Umsetzung von Projekten entlang des Grünen Bandes; Bild_©_AmkNachbildung des Ortsbildes von Jahrsau auf der Stele, Bild_©_Amk Ein Hinweisschild auf eine ehemalige Hofstelle in der Wüstung Jahrsau, Bild_©_Amk

Hier gerne die Pressemitteilung.