Umwelt

NATURA 2000 auch im Altmarkkreis Salzwedel

Was ist Natura 2000?
Vor mehr als 20 Jahren haben sich die EU-Mitgliedsstaaten zusammengetan und ein Netz an Schutzgebieten, welches in ganz Europa die Schönheit und Vielfalt der Natur sichert, geschaffen. Das Projekt trägt den Namen Natura2000, ist in dieser Form weltweit einmalig und umfasst bisher rund 25.000 Gebiete, in denen besonders wertvolle, seltene oder gefährdete Tiere sowie Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen geschützt werden. Dabei haben sich alle EU-Länder geeinigt, eine bestimmte Anzahl von Gebieten, die besondere Biotope darstellen oder besonders schützenswerte Arten beheimaten, als Natura2000-Gebiete zu melden und auszuweisen. Dort besteht dann das so genannte „Verschlechterungsverbot“, das heißt, der gegenwärtige Zustand des Gebietes ist zu erhalten und darf sich nicht verschlechtern. Das Betreiben von Landwirtschaft, Fischerei oder Forstwirtschaft bleibt trotzdem weiterhin möglich.
Grundlage für die Entscheidung, welche Gebiete als Natura2000-Gebiete ausgewiesen werden, sind die Vogelschutzrichtlinie (VS-RL) und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL), welche schützenswerte Lebensraumtypen und die darin enthaltenen Tiere und Pflanzen berücksichtigt. Unter der Internet-Adresse: http://natura2000.eea.europa.eu finden Sie eine Karte aller europäischen Natura2000-Gebiete.

Warum Natura2000?
Naturschutz ist nicht selbstverständlich. Sicher zerstört niemand mutwillig seine Umwelt, dennoch unterliegen wir Menschen oftmals Entscheidungszwängen, die dazu beitragen, dass unsere Umwelt sich verändert – auch negativ, zum Beispiel durch Industrieansiedlungen oder ein modernes Straßennetz. Durch diese Veränderungen ergeben sich oftmals heftige Naturschutzkonflikte. Im Ringen um den menschlichen Fortschritt sind wir dann bereit, auf Kosten der Natur Kompromisse einzugehen, zumal die negativen Folgen häufig erst Jahre später deutlich werden. Deshalb braucht es gewisse Regularien: gesetzliche Vorschriften und Richtlinien, die auch in Zukunft eine Artenvielfalt und Schutz der Umwelt gewährleisten, denn nicht zuletzt ist der Mensch abhängig von funktionierenden Ökosystemen. Der Naturschutz dient dadurch unmittelbar der Sicherung unserer Existenz auf diesem Planeten.
 

Das Verfahren zum Schutz der Gebiete
Die rechtlichen Grundlagen für das Ausweisungsverfahren bilden die EU-Richtlinie über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume und der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-RL) und die EU-Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (VS-RL). Aus diesen Anforderungen ergibt sich die unmittelbare Verpflichtung der EU-Staaten, die Natura2000-Gebiete als besondere Schutzgebiete nationalrechtlich hinreichend zu sichern.
Durch einen Erlass des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalts wurde das Landesverwaltungsamt aufgefordert, bis Ende 2018 ein Ausweisungsverfahren für die bisher noch nicht nationalrechtlich gesicherten Natura2000-Gebiete durchzuführen. Derzeit erfolgt eine dem eigentlichen, öffentlichen Beteiligungsverfahren vorgelagerte Einbeziehung von Verbänden der Nutzergruppen, Eigentümervertretern und Landkreisen sowie Kommunen. Weitere Informationen zu den Schutzgebieten und dem Ausweisungsverfahren finden Sie unter: www.lvwa.sachsen-anhalt.de/projekte/natura-2000

Das Projekt innerhalb Sachsen-Anhalts
Im Land Sachsen-Anhalt existieren derzeit 32 Vogelschutzgebiete und 266 FFH-Gebiete, die durch das Land an die EU gemeldet und durch diese bestätigt wurden. Diese Gebiete beheimaten aus europäischer Sicht schützenswerte Lebensraumtypen (LRT) sowie Tier- und Pflanzenarten. Die 50 in Sachsen-Anhalt vorkommenden LRT setzen sich neben naturnahen Höhlen aus 27 Offenland-LRT, 10 Gewässer-LRT und 12 Wald-LRT zusammen. 23 FFH-Gebiete in und an Gebäuden mit Wochenstuben oder Winterquartieren für gefährdete Fledermausarten sind ebenfalls Bestandteil des Natura2000-Netzes. Größtes Natura2000-Gebiet Sachsen-Anhalts ist die Colbitz-Letzlinger Heide mit ihren ausgedehnten trockenen Zwergstrauchheiden sowie bodensauren Eichenwäldern. Hier kommen unter anderem Heidelerche, Ziegenmelker und Mittelspecht vor. Die Gebietskulisse Natura2000 umfasst ca. 11 % der Fläche Sachsen-Anhalts. Deutschlandweit sind rund 14 % der Landesfläche und 31 % der Meeresfläche Natura2000-Gebiete.

 



Unter der Internet-Adresse: http://www.lvwa.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/LVWA/LVwA/Landwirtschaft_und_Umwelt/Referat_407_-_Naturschutz_Landschaftspflege/Natura_2000/Gebietskulisse.pdf finden Sie Karten der Natura2000-Gebiete in Sachsen-Anhalt.

Einladung zum Wandern und Radeln durch das Naturschutzgebiet „Kellerberg nordöstlich von Gardelegen“ – auf den Spuren seltener und schützenswerter Pflanzen und Tiere

„Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah!“, wusste schon Johann Wolfgang Goethe und warb damit für das Erkunden von Naturschätzen vor der eigenen Haustür. Diesen Gedanken möchte das Landesverwaltungsamt als Obere Naturschutzbehörde aufgreifen und den Bürgerinnen und Bürgern die Natura 2000 – Schutzgebiete Sachsen-Anhalts näher bekannt machen.
„Um sich auf die Spur nach seltenen Tieren und Lebensraumtypen zu begeben, muss man nicht in exotische Gebiete reisen. Einen Schritt vor die Haustür und eine Wanderung im nahe gelegenen Schutzgebiet „Kellerberg nordöstlich von Gardelegen“ reicht aus, um sich eine Priese Urlaubsfeeling und Exotik zu holen.“, erklärt der Leiter der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt, Dr. Uwe Thalmann, selbst Pflanzenexperte und passionierter Wanderer.
Vom Hochsommer bis in den Herbst hinein verwandelt sich das Heidegebiet rund um die Kellerberge bei Gardelegen in eine traumhaft purpurne Landschaft. Vor allem in dieser Zeit, wenn das Heidekraut (Calluna vulgaris) seine traubigen Blütenstände öffnet, lädt das FFH-Gebiet „Kellerberge nordöstlich Gardelegen“ zu einem romantischen Spaziergang ein, bei welchem mit Sicherheit einige, an diesen besonderen Lebensraum angepasste, Tier-und Pflanzenarten beobachtet werden können.

Kellerberge bei Gardelegen   Bild: Stefan Klein  Kreuzkröte   Bild: Stefan KleinWiedehopf   Bild: Lutz Doering 


Wandern und Naturschätze entdecken

Mit ca. 3.880 ha ist das FFH-Gebiet „Kühnauer Heide und Elbauen zwischen Aken und Dessau“ eines der größeren Natura 2000-Gebiete Sachsen-Anhalts. Charakteristisch für das Gebiet ist der große zusammenhängende Auenwaldkomplex mit einem naturnahen Flusslauf, Hart- und Weichholzauenwäldern, strukturreichen Auenwiesen sowie eutrophen Altwässern mit zahlreichen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten.
Um den Bürgerinnen und Bürgern die Natura 2000 – Schutzgebiete näher bekannt zu machen, hat das Landesverwaltungsamt als Obere Naturschutzbehörde verschiedene Wanderrouten entwickelt. Derzeit stehen 6 Wanderungen (in und um Halle und Köthen) zur Verfügung, weitere sind in Arbeit.
„Wichtig ist uns, dass die Bürgerinnen und Bürger vertraut gemacht werden mit den Naturschätzen, die uns umgeben, die teilweise bedroht sind und geschützt werden müssen. Doch man kann nur mit den Dingen sorgsam umgehen oder für deren Schutz kämpfen, wenn man diese kennt. Per Fuß oder Rad auf Entdeckungstour zu gehen, ist weitaus vergnüglicher, als in dicken Büchern nachzuschlagen. Deshalb entwickeln wir Wanderrouten, die zu den heimischen Schutzgütern führen. Dazu geben wir noch einen kleinen Flyer an die Hand, wo in komprimierter Form alles Wichtige nachzulesen ist.“, erklärt der Leiter der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt, Dr. Uwe Thalmann, selbst Pflanzenexperte und passionierter Wanderer. 
Die hier vorgestellte etwa 16 km lange Wanderroute verläuft streckenweise auf unbefestigten Wegen, ist aber auch gut mit dem Rad befahrbar. Der Weg orientiert sich in großen Teilen am Verlauf des Elberadweges. Entlang der Wanderroute gibt es viele von den erwähnten auentypischen Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten zu sehen. Alle weiteren Wanderkarten sind im Internet auf der Startseite des Landesverwaltungsamtes und unter dem Stichwort Projekte/ Natura 2000 hinterlegt. http://www.lvwa.sachsen-anhalt.de/projekte/natura-2000/natura2000-wanderkarten/

 

Hier finden Sie den Link zur neuen Webesite "Natura 2000 in Sachsen-Anhalt".
 

Facebook
Obwohl bereits ca. 15,4 Prozent der deutschen Landesfläche als Natura2000-Schutzgebiete ausgewiesen wurden, sind sowohl der Begriff „Natura 2000“ als auch die Hintergründe für viele Menschen unbekannt. Aus diesem Grund startete das Landesverwaltungsamt eine Facebook-Seite und informiert die Nutzer des Sozialen Netzwerkes über die Bedeutung und den Nutzen des europäischen Schutzgebietsnetzes für die Natur und für die sachsen-anhaltische Bevölkerung. Neben der Bekanntmachung von spannenden Veranstaltungen und Exkursionen rund um das Thema „Natura2000“ werden auch regelmäßig Ausflugstipps und Wanderrouten vorgestellt, die einen Wochenendausflug wert sind. Das alles und noch viel mehr ab sofort unter: www.facebook.com/natura2000lsa

 

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